24. Oktober 2025

Kurz gesagt: Große Scheite nach unten, dünnes Anzündholz quer darüber, den Anzünder ganz oben anzünden und die Luft zehn bis fünfzehn Minuten voll offen lassen. Das Feuer arbeitet sich dann nach unten durch, statt von unten durch den kalten Stapel zu schlagen. Ergebnis: kaum Rauch beim Anheizen, klare Scheibe, weniger Feinstaub.
Es gibt wenige Handgriffe rund um den Kaminofen, bei denen so viel falsch gemacht wird, und bei denen die Umstellung so wenig kostet und so viel bringt. Fast jeder von uns hat gelernt: Papier nach unten, Anzündholz darauf, dann die Scheite, und unten anzünden. Genau so hat es unsere Generation im Pfadfinderlager gemacht, und genau so funktioniert es im Kaminofen am schlechtesten.
Sechs Schritte, einmal vorgemacht
Wir haben das Anzünden an einem unserer Ausstellungsgeräte aufgezeichnet, am Barbas BOX 20 45. Die halbe Minute zeigt die Reihenfolge besser als jede Beschreibung: erst die Luft, dann zwei Basisscheite, die Kreuzlage darüber, das Anzündholz, der Anzünder ganz oben, zünden.
Warum von oben besser ist
Halten Sie einen Löffel über eine Kerzenflamme: Er wird schwarz. Nicht weil die Flamme schmutzig ist, sondern weil unverbrannte Gase auf die kältere Fläche treffen und sich dort als Ruß absetzen.
Genau das passiert im Ofen, wenn Sie unten anzünden. Die Flamme wandert nach oben durch den gesamten Holzstapel. Die kalten Scheite darüber geben unter der Hitze schlagartig ihre Gase ab, mehr als die noch kleine Flamme verbrennen kann. Was übrig bleibt, zieht als dichter Rauch in den Schornstein und schlägt sich vorher an der kältesten Fläche im Raum nieder: an der Sichtscheibe.
Beim Abbrand von oben läuft es umgekehrt. Das Feuer beginnt an der Oberseite und arbeitet sich langsam nach unten. Die darunterliegenden Scheite werden nur so weit erwärmt, wie ihre Gase auch sofort durch die darüber stehende Flamme geleitet und verbrannt werden. Das Ergebnis:
- ein Bruchteil des Rauchs in der Anheizphase
- eine Scheibe, die klar bleibt
- helle statt schwarze Schamottsteine
- messbar weniger Feinstaub und Kohlenmonoxid. Die Anheizphase ist die schmutzigste Phase eines jeden Abbrands
- ruhigeres, gleichmäßigeres Flammenbild
Der Unterschied auf einen Blick
Schritt für Schritt
1. Luft ganz auf
Öffnen Sie vor dem Anzünden alle Luftschieber vollständig: Primärluft, Sekundärluft und, falls vorhanden, den Rost. Ein Feuer in der Anheizphase braucht sehr viel Luft. Wer hier spart, erzeugt genau den Schwelbrand, den man vermeiden will.
2. Die großen Scheite nach unten
Zwei bis drei größere Scheite kommen zuerst in den Feuerraum, mit etwas Abstand zueinander und möglichst mit der Spaltfläche nach oben. Bei den meisten Öfen legt man sie parallel zur Scheibe.
3. Anzündholz kreuzweise darüber
Darauf schichten Sie eine Lage dünner Hölzer, daumendick, quer zu den Scheiten darunter. Zwischen den Hölzern soll Luft bleiben, ein dichter Stapel brennt schlecht an.
4. Anzünder ganz nach oben
Zwei Anzündwürfel oder Wollstücke kommen obenauf, nicht darunter. Verwenden Sie Anzünder auf Wachs- oder Holzwollebasis. Von Petroleum-, Paraffin- und Spiritusprodukten raten wir ab, ebenso von Zeitungspapier: Es verbrennt zu schnell, entwickelt sehr viel Asche und lässt die Druckerschwärze im Ofen. Flüssige Brandbeschleuniger sind lebensgefährlich und haben in keinem Ofen etwas zu suchen.
5. Anzünden, Tür anlehnen
Zünden Sie die Anzünder an und lassen Sie die Tür in den ersten Minuten einen Spalt angelehnt. Bei kalten Geräten hilft das dem Schornstein, den Zug aufzubauen. Danach schließen.
6. Erst zurückregeln, wenn es richtig brennt
Etwa zehn bis fünfzehn Minuten später, wenn die Flamme kräftig steht und der Ofen warm geworden ist, drosseln Sie die Primärluft und regeln nur noch über die Sekundärluft. Zu früh zurückgeregelt heißt: Schwelbrand, schwarze Scheibe, Ruß im Rohr.
7. Nachlegen im richtigen Moment
Nachgelegt wird auf das Glutbett, wenn die Flammen gerade zusammenfallen, aber noch kräftige Glut vorhanden ist, nicht erst auf kalte Asche und nicht schon ins volle Feuer. Beim Öffnen kurz warten, damit kein Rauch in den Raum schlägt. Danach für ein paar Minuten wieder mehr Luft geben, bis das neue Holz brennt.
Die fünf häufigsten Fehler
- Zu feuchtes Holz. Der mit Abstand häufigste Grund für alle übrigen Probleme. Mehr dazu in unserem Beitrag über Auswahl und Lagerung von Brennholz.
- Von unten angezündet. Siehe oben.
- Zu früh die Luft gedrosselt. Spart kein Holz, sondern kostet Wärme und verschmutzt Scheibe und Schornstein.
- Zu viel Holz auf einmal. Der Ofen ist auf eine bestimmte Menge je Abbrand ausgelegt. Überladen bringt keine Mehrleistung, sondern Überhitzung.
- Zeitungspapier als Anzünder. Viel Asche, viel Flugruß, wenig Wirkung.
Öfen, die das Regeln selbst übernehmen
Wenn Ihnen das alles nach zu viel Aufmerksamkeit klingt: Es gibt Geräte, die genau diese Arbeit übernehmen. Eine elektronische Abbrandsteuerung misst laufend die Temperatur im Abgasweg und stellt die Luftklappen selbst: beim Anheizen weit offen, in der Hauptphase gedrosselt, am Ende geschlossen, damit die Restwärme im Raum bleibt und nicht im Schornstein. In der Praxis heißt das: anzünden, Tür zu, fertig.
Wie das im Detail funktioniert, haben wir hier beschrieben: CB ABS Pro+ und fire+ von Drooff.
Häufige Fragen zum Anfeuern
Wie lange soll die Luft beim Anheizen offen bleiben?
Zehn bis fünfzehn Minuten, bis die Flamme kräftig steht und das Gerät warm geworden ist. Vorher zurückzuregeln ist der häufigste Fehler überhaupt. Es spart kein Holz, sondern kostet Wärme und schwärzt die Scheibe.
Wie viel Holz gehört in den Ofen?
Je Abbrand so viel, wie der Hersteller angibt, meist zwei bis drei Scheite. Ein Ofen ist auf eine bestimmte Menge ausgelegt. Mehr Holz bringt keine Mehrleistung, sondern Überhitzung, und die geht mit der Zeit auf Dichtungen und Ausmauerung.
Welche Anzünder sind geeignet?
Anzündwürfel auf Wachs- oder Holzwollebasis. Von Petroleum, Paraffin und Spiritus raten wir ab, ebenso von Zeitungspapier: Es verbrennt zu schnell, macht viel Asche und lässt die Druckerschwärze im Ofen. Flüssige Brandbeschleuniger haben in keinem Ofen etwas zu suchen, das ist lebensgefährlich.
Muss die Tür beim Anzünden offen bleiben?
Nur angelehnt, und nur die ersten Minuten. Bei einem kalten Gerät hilft das dem Schornstein, den Zug aufzubauen. Danach wird geschlossen. Ganz offen stehen bleiben darf sie nicht, dann verbrennt die Luft am Feuer vorbei.
Woran erkenne ich, dass das Holz trocken genug ist?
An der Restfeuchte, und die misst man. Unter 20 Prozent soll sie liegen, erreicht wird das nach ein bis zwei Jahren Lagerung an einem luftigen, überdachten Platz. Zu feuchtes Holz ist die Ursache hinter den meisten anderen Problemen, von der schwarzen Scheibe bis zum schwachen Zug. Mehr dazu in unserem Beitrag über Auswahl und Lagerung von Brennholz.
Wann lege ich nach?
Wenn die Flammen gerade zusammenfallen, aber noch kräftige Glut da ist. Nicht erst auf kalte Asche und nicht ins volle Feuer. Beim Öffnen kurz warten, damit kein Rauch in den Raum zieht, dann für ein paar Minuten wieder mehr Luft geben.
Sie sind sich nicht sicher?
Beim ersten Anheizen Ihres neuen Ofens sind wir ohnehin dabei, das gehört bei uns zur Montage. Rufen Sie uns an oder kommen Sie in unserer Ausstellung in Rimpar vorbei. Bei einem brennenden Ofen lässt sich vieles leichter erklären als am Telefon. Wir nehmen uns die Zeit.
