Ratgeber

Kaminofen richtig anfeuern: warum von oben und nicht von unten

24. Oktober 2025

Moderner Kaminofen Hase Lhasa IQ in Schwarz-Tönen in hellem Wohnzimmer mit Essbereich, Kamin aktiv mit Flammen

Es gibt wenige Handgriffe rund um den Kaminofen, bei denen so viel falsch gemacht wird — und bei denen die Umstellung so wenig kostet und so viel bringt. Fast jeder von uns hat gelernt: Papier nach unten, Anzündholz darauf, dann die Scheite, und unten anzünden. Genau so hat es unsere Generation im Pfadfinderlager gemacht, und genau so funktioniert es im Kaminofen am schlechtesten.

Warum von oben besser ist

Halten Sie einen Löffel über eine Kerzenflamme: Er wird schwarz. Nicht weil die Flamme schmutzig ist, sondern weil unverbrannte Gase auf die kältere Fläche treffen und sich dort als Ruß absetzen.

Genau das passiert im Ofen, wenn Sie unten anzünden. Die Flamme wandert nach oben durch den gesamten Holzstapel. Die kalten Scheite darüber geben unter der Hitze schlagartig ihre Gase ab — mehr, als die noch kleine Flamme verbrennen kann. Was übrig bleibt, zieht als dichter Rauch in den Schornstein und schlägt sich vorher an der kältesten Fläche im Raum nieder: an der Sichtscheibe.

Beim Abbrand von oben läuft es umgekehrt. Das Feuer beginnt an der Oberseite und arbeitet sich langsam nach unten. Die darunterliegenden Scheite werden nur so weit erwärmt, wie ihre Gase auch sofort durch die darüber stehende Flamme geleitet und verbrannt werden. Das Ergebnis:

  • ein Bruchteil des Rauchs in der Anheizphase
  • eine Scheibe, die klar bleibt
  • helle statt schwarze Schamottsteine
  • messbar weniger Feinstaub und Kohlenmonoxid — die Anheizphase ist die schmutzigste Phase eines jeden Abbrands
  • ruhigeres, gleichmäßigeres Flammenbild

Schritt für Schritt

1. Luft ganz auf

Oeffnen Sie vor dem Anzünden alle Luftschieber vollständig — Primärluft, Sekundärluft und, falls vorhanden, den Rost. Ein Feuer in der Anheizphase braucht sehr viel Luft. Wer hier spart, erzeugt genau den Schwelbrand, den man vermeiden will.

2. Die großen Scheite nach unten

Zwei bis drei größere Scheite kommen zuerst in den Feuerraum, mit etwas Abstand zueinander und möglichst mit der Spaltfläche nach oben. Bei den meisten Oefen legt man sie parallel zur Scheibe.

3. Anzündholz kreuzweise darüber

Darauf schichten Sie eine Lage dünner Hölzer — daumendick, quer zu den Scheiten darunter. Zwischen den Hölzern soll Luft bleiben, ein dichter Stapel brennt schlecht an.

4. Anzünder ganz nach oben

Zwei Anzündwürfel oder Wollstücke kommen obenauf, nicht darunter. Verwenden Sie Anzünder auf Wachs- oder Holzwollebasis. Von Petroleum-, Paraffin- und Spiritusprodukten raten wir ab, ebenso von Zeitungspapier: Es verbrennt zu schnell, entwickelt sehr viel Asche und lässt die Druckerschwärze im Ofen. Flüssige Brandbeschleuniger sind lebensgefährlich und haben in keinem Ofen etwas zu suchen.

5. Anzünden, Tür anlehnen

Zünden Sie die Anzünder an und lassen Sie die Tür in den ersten Minuten einen Spalt angelehnt — bei kalten Geräten hilft das dem Schornstein, den Zug aufzubauen. Danach schließen.

6. Erst zurückregeln, wenn es richtig brennt

Etwa zehn bis fünfzehn Minuten später, wenn die Flamme kräftig steht und der Ofen warm geworden ist, drosseln Sie die Primärluft und regeln nur noch über die Sekundärluft. Zu früh zurückgeregelt heißt: Schwelbrand, schwarze Scheibe, Ruß im Rohr.

7. Nachlegen im richtigen Moment

Nachgelegt wird auf das Glutbett, wenn die Flammen gerade zusammenfallen, aber noch kräftige Glut vorhanden ist — nicht erst auf kalte Asche und nicht schon ins volle Feuer. Beim Oeffnen kurz warten, damit kein Rauch in den Raum schlägt. Danach für ein paar Minuten wieder mehr Luft geben, bis das neue Holz brennt.

Die fünf häufigsten Fehler

  1. Zu feuchtes Holz. Der mit Abstand häufigste Grund für alle übrigen Probleme. Mehr dazu in unserem Beitrag über Auswahl und Lagerung von Brennholz.
  2. Von unten angezündet. Siehe oben.
  3. Zu früh die Luft gedrosselt. Spart kein Holz, sondern kostet Wärme und verschmutzt Scheibe und Schornstein.
  4. Zu viel Holz auf einmal. Der Ofen ist auf eine bestimmte Menge je Abbrand ausgelegt. Ueberladen bringt keine Mehrleistung, sondern Ueberhitzung.
  5. Zeitungspapier als Anzünder. Viel Asche, viel Flugruß, wenig Wirkung.

Oefen, die das Regeln selbst übernehmen

Wenn Ihnen das alles nach zu viel Aufmerksamkeit klingt: Es gibt Geräte, die genau diese Arbeit übernehmen. Eine elektronische Abbrandsteuerung misst laufend die Temperatur im Abgasweg und stellt die Luftklappen selbst — beim Anheizen weit offen, in der Hauptphase gedrosselt, am Ende geschlossen, damit die Restwärme im Raum bleibt und nicht im Schornstein. In der Praxis heißt das: anzünden, Tür zu, fertig.

Wie das im Detail funktioniert, haben wir hier beschrieben: CB ABS Pro+ und fire+ von Drooff.

Sie sind sich nicht sicher?

Beim ersten Anheizen Ihres neuen Ofens sind wir ohnehin dabei — das gehört bei uns zur Montage. Rufen Sie uns an oder kommen Sie in unserer Ausstellung in Rimpar vorbei — bei einem brennenden Ofen lässt sich vieles leichter erklären als am Telefon. Wir nehmen uns die Zeit.

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