5. Dezember 2025

Der Zug eines Schornsteins ist kein Zufall und keine Laune, sondern Physik: Warme Abgase sind leichter als die kalte Außenluft, sie steigen auf und ziehen dabei frische Luft durch den Feuerraum nach. Je größer der Temperaturunterschied und je höher der Schornstein, desto stärker dieser Effekt.
Damit sind auch schon die beiden Stellschrauben genannt, an denen fast alle Probleme hängen: Entweder ist der Schornstein zu kalt, oder irgendetwas arbeitet gegen den Auftrieb.
Gehen Sie die Ursachen der Reihe nach durch
1. Der Schornstein ist kalt
Das ist der häufigste Fall — besonders am Anfang der Heizsaison, nach mehreren Tagen ohne Feuer oder bei einem außen liegenden Schornstein. Ein kalter Schornstein hat keinen Auftrieb, im Gegenteil: In ihm steht eine Säule kalter, schwerer Luft, die erst einmal nach unten drückt.
Abhilfe: ein Lockfeuer. Zünden Sie zusammengeknülltes Papier oder einen Anzünder direkt im oberen Bereich des Feuerraums oder, wenn zugänglich, in der Reinigungsöffnung an. Sobald warme Luft aufsteigt, kippt die Strömung. Erst dann das eigentliche Feuer anzünden.
2. Unterdruck im Haus
Die zweithäufigste Ursache und in dichten Häusern die wichtigste. Eine Dunstabzugshaube im Abluftbetrieb, eine Lüftungsanlage oder ein Abluft-Wäschetrockner saugen Luft aus dem Haus. Der Ofen konkurriert dann mit ihnen um dieselbe Luft — und verliert, weil sein Auftrieb schwächer ist als ein Ventilator.
Selbsttest: Öffnen Sie ein Fenster auf Kipp und schalten Sie Dunstabzug und Lüftung aus. Zieht der Ofen dann sofort besser, haben Sie die Ursache gefunden.
Abhilfe: dauerhaft über eine Zuluftleitung, ein raumluftunabhängiges Gerät oder eine Sicherheitseinrichtung. Mehr dazu in unserem Beitrag über raumluftunabhängige Kaminöfen. Ein dauerhaft gekipptes Fenster ist keine Lösung, sondern ein Behelf.
3. Das Holz ist zu feucht
Feuchtes Holz verbrennt kühler. Kühlere Abgase bedeuten weniger Auftrieb, weniger Auftrieb bedeutet weniger Luft, weniger Luft bedeutet noch kühlere Verbrennung — ein Kreislauf, der sich selbst verstärkt. Siehe Brennholz richtig auswählen und lagern.
4. Die Wetterlage
Bei Inversionswetterlagen — windstill, feucht, Hochnebel, oft im Spätherbst — ist die Luft in der Höhe wärmer als am Boden. Damit fehlt genau der Temperaturunterschied, von dem der Schornstein lebt. Auch starker Wind aus einer ungünstigen Richtung kann den Zug stören, besonders wenn hohe Bäume oder ein Nachbargebäude in der Nähe stehen.
Dagegen hilft kein Handgriff, nur Geduld — oder ein etwas kräftigeres Anheizen. Tritt es regelmäßig auf, kann ein anderer Schornsteinaufsatz helfen; das sehen wir uns vor Ort an.
5. Etwas versperrt den Weg
Ein Vogelnest, Laub, herabgefallener Mörtel oder eine dicke Rußablagerung verengen den Querschnitt. Ebenso häufig: eine geschlossene Drosselklappe im Ofenrohr, eine zugeschobene Anheizklappe oder eine falsch eingestellte Verbrennungsluftklappe. Prüfen Sie zuerst alle Klappen und Schieber, bevor Sie weiter suchen — das ist in zwei Minuten erledigt.
6. Der Schornstein passt nicht zum Ofen
Zu kurz, zu weit oder zu eng — alle drei kommen vor. Zu kurze Schornsteine erzeugen zu wenig Auftrieb. Ein zu großer Querschnitt lässt die Abgase zu langsam und damit zu kalt aufsteigen; das passiert oft, wenn ein moderner, sparsamer Ofen an einen alten, für einen Kohleofen gebauten Schornstein angeschlossen wird. Ein zu enger Querschnitt bremst schlicht.
Das lässt sich nicht schätzen, sondern wird berechnet. Wir machen diese Auslegung vor jeder Montage — und bauen, wenn nötig, auch den Schornstein selbst, als Edelstahlschornstein an der Außenwand oder gemauert im Haus.
Wann Sie sofort aufhören sollten
Wenn Rauch dauerhaft in den Wohnraum tritt und sich das nicht binnen Minuten ändert: Feuer nicht weiter befeuern, Fenster öffnen, Raum lüften und den Ofen auskühlen lassen. Rauch im Raum bedeutet Kohlenmonoxid im Raum, und das ist nicht wahrnehmbar. Ein CO-Melder in der Nähe des Ofens kostet wenig und ist eine der sinnvollsten Anschaffungen rund um ein Feuer.
Danach: Schornsteinfeger anrufen. Er misst den Förderdruck und stellt fest, ob es an der Anlage liegt.
Sie sind sich nicht sicher?
Wenn Sie die Punkte durchgegangen sind und der Zug weiter schwach bleibt, kommen wir vorbei und messen nach. Rufen Sie uns an oder kommen Sie in unserer Ausstellung in Rimpar vorbei — bei einem brennenden Ofen lässt sich vieles leichter erklären als am Telefon. Wir nehmen uns die Zeit.